Prof. Klaus Toepfer im Gespräch: Mehr Anstrengung zur Erreichung der Klimaziele erforderlich

Anlässlich der zweiten Friedenswochen in Bad Neuenahr hatte INSE-Geschäftsführer Peter Schäfer am  17. März Gelegenheit zu einem Informations- und Meinungsaustausch mit Prof. Dr. Klaus Toepfer, Honorary Fellow des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam dessen  Gründungsdirektor er 2009 war und das er bis 30.09.2015 als Exekutivdirektor geleitet hat.

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Prof. Dr. Klaus Toepfer mit INSE-Geschäftsführer Peter Schäfer

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion stellte mit Prof. Dr. Klaus Toepfer der zweite Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und langjähriger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) in Nairobi und Gründungsmitglied des Institute for Advanced Sustainability Studies seine Sicht auf die aktuellen (umwelt-)politischen Herausforderungen in Deutschland dar.

Prof. Dr. Toepfer kritisierte, dass Deutschland bei der Erreichung der Klimaziele derzeit zurückfalle. 2016 sei der Ausstoß der klimaschädlichen CO2-Emissionen sogar um 0,4 Prozent gestiegen. Damit nahm er das Ergebnis der Nahzeitprognose des Umweltbundesamtes vorweg, welche in der Folgewoche veröffentlicht wurde. Ein höheres Verkehrsaufkommen, aber auch der Trend zu wenig sparsamen, PS-strotzenden SUV sei Schuld an dieser Entwicklung. Die Nahzeitprognose des Umweltbundesamtes benannte neben dem erhöhten Güterverkehrsaufkommen insbesondere auf der Straße, eine kühlere Witterung sowie den zusätzlichen Schalttag im Jahr 2016 als Ursache für den Anstieg der Treibhausgas-Emissionen.

Erreichung des Klimaziels 2020 droht zu scheitern

Der Anstieg der Emissionen um fast vier Mio. t bzw. rund 0,4 %. auf 906 Mio. t Kohlendioxid-Äquivalente ist laut Toepfer Gift für die Erreichung der Klimaziele der Bundesregierung. Es gelte inzwischen als sicher, dass Deutschland sein selbst gestecktes Ziel verfehlen werde, den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu senken, wenn nicht zusätzliche, drastische Einsparmaßnahmen getroffen würden. Das mit Dutzenden von Studien und Programmen untermauerte Staatsziel erweise sich damit am Ende möglicherweise als Luftschloss.

Schäfer erläuterte die Maßnahmen der Mittelständischen Wirtschaft zur Reduzierung des Energieverbrauchs, bemängelte jedoch, dass das Förderinstrumentarium zur Stimulierung von Investitionen in die Reduzierung von Energie- und Ressourcenverbrauch zielgerichteter ausgelegt werden müsse. Viele Programme gingen am Bedarf vorbei und würden sich als Ladenhüter erweisen.

Umfassender Sinneswandel erforderlich

Toepfer kritisierte im Dialog, dass bei der Wirtschaft, aber auch den deutschen Verbrauchern ein umfassender Bewusstseinswandel erforderlich sei:  Mehr Auto fahren, mehr Diesel tanken und weiterhin viel mit Heizöl zu heizen, sei der falsche Weg. So sei der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern bis 2050, zwingende Voraussetzung zur Erreichung der Weltklimaziele des Pariser Abkommens, nicht zu schaffen.

 

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