Dena Energiewendekongress 2019: Im Zeichen des Klimaschutzes

Bundesfinanzminister Scholz verteidigt das Klimapaket der Großen Koalition

Auch in diesem Jahr traf sich das Who-is-who der Energiebranche in Berlin beim DENA Energiewende-Kongress. Unter dem Motto „Ein neuer Rahmen“ wurde die Frage diskutiert, ob die Energie- und Klimaziele für 2030 noch realistisch zu erreichen sind. Bundesfinanzminister Scholz zeigte sich jedenfalls mit dem Klimapaket der Großen Koalition zufrieden und verteidigte das Paket als wesentlichen Schritt zur Erreichung der Klimaziele 2030.

Klimaexperten und Vertreter der Energiewirtschaft sehen das Klimapaket kritisch

Nach Meinung der Experten schnitt insbesondere der Verkehr bei der Erreichung der Klimaziele schlecht ab. Anstelle einer signifikanten Senkung der Emissionen war seit 1990 zuletzt sogar ein Zuwachs der Klimagasemissionen zu verzeichnen. Trotzdem zeigte sich der Entwicklungschef von BMW zuversichtlich, dass die Autoindustrie den Turn-Around Richtung nachhaltiger Flotten doch noch schafft. Anders als VW plädierte er für Technologieoffenheit und sah neben dem Elektroantrieb auch Alternative Antriebe wie Wasserstoff chancenreich.

Ohne Integrierte Energieinfrastruktur keine erfolgreiche Energiewende

Einigkeit herrschte bei den Experten bei der Frage, dass die Energiewende nur bei beherzter Gestaltung des Rechtsrahmens inklusive stärkerer Anreizsetzung für Unternehmen und Bürger zum klimafreundlichen Handeln, weiterer Integration der Infrastruktur und unter Nutzung aller technologischen Innovationen ein Erfolg wird. Den Einstiegspreis bei der CO2-Bepreisung mit 10 Euro/Tonne CO2 ab dem Jahr 2021, wie vom Bundestag verabschiedet, sah man als dringend nachbesserungsbedürftig an.

DENA wartet mit Volume-Deal auf

Wie man klotzt statt kleckert machte die DENA denn auch gleich vor: Bei dem Energiewende-Kongress konnte die DENA-Geschäftsführung nach zweijähriger Vorbereitung einen „Volume-Deal“ im Bereich der energetischen Gebäudesanierung verkünden: Mehr als 11.000 Wohnungen werden in den nächsten Jahren zu klimaneutralen Einheiten umgebaut. Der Retrofit wird möglich durch die Technik eines holländischen Unternehmens, welches in den Niederlanden bereits mit standardisierten Baukomponenten zahlreiche Reihenhäuser und Wohnblocks auf energetisch modernsten Stand gebracht hat.

Energieeffizienz, der vernachlässigte Partner der Energiewende

„Wir müssen uns dem Thema Enegieeffizienz mit neuer Ernsthaftigkeit widmen“, hatte auf dem Energiewende-Kongress im Vorjahr noch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gefordert. Von diesem Lippenbekenntniss war allerdings in 2019 nichts zu spüren. In den Köpfen der politischen Entscheider fristet die Energieeffizienz seit Jahren ein vernachlässigtes Dasein. So wurde auf dem Kongress erneut gefordert, dass die Förderprogramme oft zu ambitionierte Ziele verfolgten anstatt mit weniger ehrgeizigen Vorgaben mehr Breitenwirkung zu entfalten. Ein gutes Beispiel ist die mit dem Klimapaket geplante Heizungsmodernisierung. Anstatt für eine Übergangszeit auch modernere Ölheizungen zuzulassen, ist nur der Wechsel auf Gas oder alternative Heiztechnologien förderfähig.

Probleme beim Netzausbau verzögern Energiewende weiter

Es ist beim Energiewende-Kognress schon ein Dauerthema: Der schleppende Ausbau des Netzes und die Zielverfehlung beim Ausbau von Wind- und Solarenergie. Mit Sorge wird betrachtet, dass andere EU-Mitgliedstaaten teilweise deutlich schneller vorankommen bei der Energiewende während Deutschland weiter zurückfällt, obwohl die Strompreise sich mittlerweile zu den höchsten der EU entwickelt haben. Insbesondere der Ausbau der Netze ist hier wesentlicher Kostentreiber im Energiesystem, denn der Ausbau-, Modernisierungs- und Steuerungsbedarf wird in den nächsten Jahren stark ansteigen.

Mehr Mut zu handeln in Politik und Gesellschaft

Der Klimawandel ist in aller Munde, aber noch nicht auf jeder „TO-do-Liste“. Es bleibt also noch viel zu tun, lautet das Fazit des diesjährigen DENA-Energiewendekongress. „Machen statt diskutieren“ foderte Andreas Kuhlmann, Geschäftsführer der DENA folgerichtig die Politik, aber auch alle anderen Akteure auf.

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