B20 Gipfel und Klimawandel: Verkehrssektor noch im Dornröschenschlaf

Derzeit tagen die B20, die Wirtschaftsverbände und NGOs der 20 wichtigsten Industrieländer der Welt, in Berlin. Deutschland hat in diesem Jahr den Vorsitz der G20 und das B20-Treffen wirft seine Schatten auf den G20-Gipfel im Juli. Beherrschende Themen sind der Rückfall in Protektionismus und Nationalismus sowie die Zukunft des Freihandels. Aber auch die Umwelt steht auf der Agenda.

Sorgen bereitet derzeit der Verkehr: Während andere Sektoren im Bereich der Energiewende Erfolge verzeichnen, herrscht bei der Automobilindustrie Dornröschenschlaf: Die CO2-Emissionen steigen kontinuierlich.

Ehrgeizige Ziele der Bundesregierung

Mit der Agenda 2050 hat sich Deutschland seinen eigenen Fahrplan für den Ausstieg aus den fossilen Energien gegeben. Dank der Energiewendepolitik der Bundesregierung sind auf dem Gebiet der klimafreundlichen Stromerzeugung in Deutschland in den vergangenen Jahren sichtbare Erfolge erzielt worden. Die erneuerbaren Energien sind zur wichtigsten Energiequelle des Landes avanciert.

Sorgenkind Verkehrssektor

Nach den Zahlen des Umweltbundesamtes ist der CO2-Ausstoss im Verkehrssektor jedoch zuletzt sogar gestiegen. Der Trend zu spritschluckenden SUVs und höhere Kilometerleistungen sind die Hauptursache. Der Rückgang der Marktanteile des Dieselmotors wird diese Entwicklung verstärken, denn die Automobilindustrie hat die sparsamen Dieselflotten, die weniger CO2 emittieren fest eingeplant, um die CO2-Ziele zu erreichen. Dieselgate macht ihr nun einen Strich durch die Rechnung. Mit der Geely-Tochter VOLVO hat der erste Autobauer seinen Ausstieg aus der Dieseltechnologie angekündigt. Andere Hersteller könnten folgen.

Schelte für die deutsche Automobilindustrie

Dies war für Bundesumweltministerin Dr. Hendricks Anlass, bei dem B20-Treffen die geringe Innovationskraft der deutschen Automobilindustrie zu bemängeln, denn der deutsche Verkehrssektor steht in Sachen Treibhausgasneutralität noch am Anfang. Es muss also um die Frage gehen: Wie bekomme ich die erneuerbaren Energien auch auf die Straße? „Viele Hersteller haben alternative Antriebe lange skeptisch gesehen. Und es ist wohl kein Geheimnis, dass Deutschland in Sachen E-Mobilität noch nicht zu den Vorbildern gehört“, so die Ministerin in Berlin.

Innovative Konkurrenz aus dem In- und Ausland

Ausländische Wettbewerber machen es vor: Alternative Antriebe sind zunehmend konkurrenzfähig. Extern aufladbare Hybridfahrzeuge, sogenannte Plug-In-Hybride, rentieren sich. Tesla kann sich vor Bestellungen für sein Modell 3 kaum retten und in China wurden 2016 erstmals über eine halbe Million Elektrofahrzeuge verkauft. In Norwegen sind fast ein Viertel der neu zugelassenen Fahrzeuge Elektroautos, die meisten davon Plug-In-Hybride. Die Förderung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben des BAFA ist dagegen bisher ein Flopp: Stand 30. April 2017 sind gerade einmal 17.937 Anträge auf Förderung eingereicht worden. Es mangelt schlichtweg an konkurrenzfähigen Modellen der großen europäischen Volumenhersteller. Das mangelhafte Angebot nahm auch schon die Deutsche Post als Anlass einen eigenen Elektrotransporter zu entwickeln.

Hierzu fand die Bundesministerin klare Worte. „Ich bin der festen Überzeugung: Die Frage ist nicht mehr, ob sich CO2-freie Antriebe im Straßenverkehr durchsetzen werden, sondern wann der konventionelle Verbrennungsmotor von der Straße in das Museum wandert“.

Das Ende des Verbrennungsmotors ist also ausgemachte Sache. Und es wird wahrscheinlich schneller kommen, als die Konzernlenker bei den Automobilherstellern sich das derzeit eingestehen wollen. Der Automobilbranche steht in den kommenden Jahren ein tiefgreifender Wandel bevor. Wenn man einen Eindruck gewinnen möchte, wie sehr klimafreundliche Technologien die Wirtschaft verändern, dann sollte man in den nächsten Jahren aufmerksam auf die Automobilkonzerne blicken.

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