Autoindustrie und Umwelt: Kurswechsel erforderlich

Heute ist der Diesel-Gipfel in Berlin. Es geht um die Rettung des Dieselmotors als Antriebstechnologie. In Kalifornien wird seit gestern dagegen mit dem Tesla 3 das erste Massenmodell eines Autos mit Elektroantrieb produziert. Wenn nicht umgesteuert wird, droht Deutschlands Autoindustrie im globalen Wettbewerb das Schicksal der Solarindustrie. Das hätte auch gravierende Folgen für den deutschen Klimaschutz.

Die deutsche Vorzeigebranche ist tief gefallen. Der Abgasskandal und Kartellvorwürfe erschüttern derzeit die deutsche Automobilindustrie. Politik und Wirtschaft treffen sich heute zum Dieselgipfel in Berlin. Bei dem „Nationalen Forum Diesel“ an dem Vertreter von Bund, mehreren Ländern und Autobranche teilnehmen, geht es um Kfz.-Nachrüstungen zur Senkung des Stickoxidausstoßes und eine bessere Luft in Innenstädten. Um das Blatt zu wenden und drohende Fahrverbote in Metropolen ab 2018 zu vermeiden, wird ein klares Signal erwartet, dass die Autoindustrie die Menschen nicht mehr betrügen will und einen Kurswechsel vollzieht.

Es geht um die Wiederherstellung des Verbrauchervertrauens

Den Kunden ist nicht vermittelbar, dass Autos mit Euro 6 mehr Stickoxide emittieren als Fahrzeuge mit Euro 1. Sie fordern saubere Fahrzeuge und Lösungen, die ihnen keine zusätzlichen Kosten oder massive Wertverluste bei ihren Dieselfahrzeugen bescheren. Die Wiederherstellung des Verbrauchervertrauens muss aber noch weiter gehen. Mit stiller Duldung der Politik haben sich die Abgaswerte laut Herstellerangaben und die realen Verbrauchswerte in den vergangenen Jahren immer weiter auseinander entwickelt. Früher lagen die echten CO2-Werte, gemessen im Verkehr, rund zehn Prozent höher als die Werte auf dem Prüfstand. Heute sind es 40, teils sogar 50 Prozent mehr. Das schadet dem Klima und kostet die Autofahrer viel Geld, denn der Kraftstoffverbrauch ist viel höher als angegeben.

Dieseltechnologie zu verteufeln ist keine Lösung

Ein Blick auf die Zulassungsstatistik zeigt, dass eine generelle Verteufelung und ein zeitnaher Ausstieg aus der Dieseltechnologie illusorisch sind. Fast 50 Prozent aller Kfz. in Deutschland sind Dieselfahrzeuge. Ein Wechsel auf Benzinmotoren würde bei den damit einhergehenden höheren Verbräuchen an Kraftstoff die CO2-Emissionen in die Höhe treiben und der Verkehrssektor würde sich noch weiter von den Einsparzielen des deutschen Klimaschutzplanes entfernen als er ohnehin schon ist. Fahrzeuge mit Elektroantrieb führen derzeit noch ein Nischendasein. Weder die Ladeinfrastruktur noch die Verfügbarkeit geeigneter Fahrzeuge ist im Pendlerland Deutschland ausreichend um einen Umstieg zu ermöglichen. Von Tesla lernen heißt derzeit zukunftsfähige Antriebstechnologien mit mehr Nachdruck zu entwickeln als bisher und parallel konventionelle Antriebe weiter zu verkaufen.

Also muss die Dieseltechnologie – zumindest vorerst – gerettet werden. Dabei ist es aber nicht mit einer neuen Software für die Motorsteuerung getan. Nur ein Teil der betroffenen Autos ist dafür überhaupt geeignet. Bei Euro 5-Fahrzeugen könnte der NOx-Ausstoß dadurch um bis zu 25 Prozent gesenkt werden. Für den Umweltschutz in den Städten würde das aber nicht ausreichen, weil damit nur eine Absenkung der NOx-Werte von neun Prozent erreicht würde. Die Grenzwerte würden weiterhin deutlich überschritten werden.

Flächendeckende Nachrüstung erforderlich

Will die Automobilindustrie den Vertrauensverlust bei den Verbrauchern wieder wettmachen, muss sie ihre Dieselfahrzeuge mit neuen Katalysatoren nachrüsten. Auch wenn dies pro Fahrzeug rund 1.500 Euro kostet. Die Konzerne haben Produkte geliefert die nicht gesetzeskonform sind und bei der Abgasreinigung nicht funktionieren. Wer ein solches Produkt gekauft hat, hat das Recht auf Nachbesserung oder Rückgabe gegen Erstattung des Kaufpreises, wenn die Nachbesserung nicht zum Erfolg führt. Nicht nachrüstbare Dieselfahrzeuge sollten von der Autoindustrie zurückgenommen und verschrottet werden wie dies in den USA von VW bereits praktiziert wird. Angesichts von rund 30 Milliarden Euro Gewinn, die die deutschen Automobilkonzerne im Jahr 2016 ausgewiesen haben dürften diese einmaligen Umrüst- und Verschrottungskosten auch tragbar sein.

Damit würde die Automobilindustrie demonstrieren, dass man auch saubere Diesel bauen kann, die die Abgaswerte einhalten. Technisch ist es heute möglich, sehr saubere und klimafreundlichere Benziner und Diesel zu bauen. Erreichbar sind mit konventioneller Technik Werte um 60 Gramm CO2 pro Kilometer, gemessen im realen Betrieb auf der Straße. Der Durchschnitt der Neuwagen liegt heute real bei 150.

Klimaziele des Paris-Abkommens im Verkehrssektor nicht aus dem Auge verlieren
Der Kurswechsel in der Automobilindustrie muss jedoch weiter gehen. Die Mobilitätskonzerne müssen Lösungen schaffen, die für Menschen und Umwelt, nicht für Autos ausgelegt sind. Dies ist ohne Ausbau des öffentlichen Verkehrs und eine Förderung alternativer Wohn- und Fortbewegungskonzepte nicht machbar. Beispiele wie es besser geht, kann man in Kopenhagen und Straßbourg sehen.

Weiterführende Informationen:

Kopenhagen: ein Paradies für Radfahrer

 

 

 

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